Kapitalverkehrskontrollen oder nicht, das scheint hier die Frage

Was davon ist richtig in einem inhomogenen Wirtschaftsraum wie der Eurozone, was davon hat welche Folgen? Keine Ahnung.
Ich hab bei der Zeit grad den hier gelesen und fand ihn ziemlich interessant, weil ich die Sache mit den Kapitalverkehrskontrollen noch gar nicht so sehr auf dem Schirm hatte. Der interviewte Ökonom mit offenbar wirtschaftspolitischem (Berater-)Hintergrund in Japan pustet darin voll ins Horn derer, für die der Austeritätskurs vollkommen falsch ist (auch meine Ansicht) und kommt zum Ergebnis, dass innereuropäische Kapitalverkehrsbeschränkungen (gleich nach Fiskalunion und Eurobonds) die beste Möglichkeit seien, ein Hin- und Herschwappen von Sparvermögen und staatlichen Finanzengpässen zwischen Norden und Süden zu verhindern. Beispiel USA? Muss dem mal näher auf den Grund gehen, auf die Schnelle konnte ich im Internet nichts gutes dazu finden (komisch).

Dazu meinte jedenfalls User Karl-Eduard-von-Klick:

"Der Privatsektor war noch nicht so weit. Doch der IWF war einflussreicher. Hashimoto erhöhte die Steuern und fuhr die Staatsausgaben massiv zurück. Und raten Sie, was das für Folgen hatte: Japans Staatsverschuldung schoss um 68 Prozent in die Höhe. Hätte Hashimoto damals widerstanden, wäre Japan längst raus aus der Krise."

Seit der "Allgemeinen Theorie" von John Maynard Keynes hätte es jeder wissen können, der des Lesens kundig und ökonomisch einigermaßen interessiert ist, daß die Kürzung von Staatsausgaben in einer ökonomischen Rezessionsphase, in der sich der Privatsektor wie Haushalte und Unternehmen entschulden wollen, keine Gesundung des Haushaltes, sondern über einen weiteren Rückgang der Konjunktur und der damit verbundenen Steuer- wie Beitragsausfälle eine noch höhere Verschuldung bewirkt. Der Staat wird dann diesen Kürzungen immer hinterhersparen, in einer Spirale nach unten. Man kann eben nicht seine Schulden aus vergangenen Perioden abbauen, indem man seine Einnahmen in der laufenden Periode verringert. Reine volkswirtschaftliche Logik, doch im Denken der vielen Schwäbischen Hausfrauen in der Politik und im gegenwärtigen ökonomischen Mainstream leider nicht mehr präsent.

"Warum in Spanien das Vermögen belassen, wenn sich im selben Währungsraum das sichere Deutschland befindet?"

Die Folge dessen, daß man einen gemeinsamen Währungsraum und vor allem ohne Kapitalverkehrskontrollen begründet, ein Mantra der neoliberalen Politik. Die Folgen tragen alle.

Und darauf antwortete Dr_Bernd_Bresig:

Endlich...
...mal jemand mit Verstand :-)

Das neoklassische Hemd ist den meisten Leuten irgendwie näher als volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Was zu Hause im Kleinen funktioniert, kann im Großen nicht schlecht sein usw.

Dass die Normalos das nicht verstehen, ist verzeihbar, ist es schliesslich nicht gerade Schulstoff. Bei den Journalisten habe ich schon weniger Verständnis, bei den Politikern hörts ganz auf.

Letztere verstehen vermutlich sogar was sie anrichten, aber menschenwürdiges Leben sieht neoklassische Volkswirtschaftslehre ebensowenig vor, wie die bewusste Entwicklung einer Wirtschaft. Wenn man dazu noch glaubt:

1) dass sinkenden Lohnkosten gut sind (Wettbewerb)

2) Staatsausgaben schlecht (Verdrängung privater Investitionen)

3) Ersparnisse unmittelbar Investitionen werden ( S=I und ähnlicher Kokolores)

dann hat man schnell eine Suppe angerührt, die niemand auslöffeln mag.

Halbwissen regiert.

Ich weiß noch nicht wie ich inhaltlich dazu stehe (ich sehe, dass man die wahrnehmen könnte, als würden sie lediglich überheblich auf den Neoliberalismus herabblicken, aber so doof klingt das was sie sagen eigentlich gar nicht). Aber ich wollt's mal festhalten.

Leave a Reply